Methodik

Wie wir messen

Von der Quotenerhebung bis zum Trend-Score

Quotenprofi erfasst die Wettquoten großer Buchmacher automatisiert und über die Zeit. Aus diesen Rohdaten entstehen unser Quotenvergleich, der Quotenverlauf, der Quotenschlüssel und der Trend-Score. Hier steht, wie das im Einzelnen funktioniert.

Woher die Quoten kommen

Wir erheben die Quoten von 18 in Deutschland aktiven Buchmachern aus öffentlich zugänglichen Angeboten. Ein Spiel wird nicht nur einmal abgefragt, sondern mehrmals täglich bis zum Anpfiff — so entsteht für jede Partie ein lückenloser Verlauf statt einer Momentaufnahme. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich ist immer die Quote beim jeweiligen Anbieter.

Der Markt-Median statt Einzelmeinungen

Für Marktaussagen betrachten wir nie einen einzelnen Buchmacher, sondern den Median über alle erfassten Quoten eines Ausgangs. Der Median ist der mittlere Wert und lässt sich von einzelnen Ausreißern nicht verziehen — ein Buchmacher, der sich verpreist oder besonders spät nachzieht, kippt das Bild also nicht. Bewegt sich der Median, hat sich der Markt bewegt.

Die Marge herausrechnen (Devigging)

Eine Quote enthält immer die Marge des Buchmachers. Rechnet man die drei Quoten eines Spiels naiv in Wahrscheinlichkeiten um (1 geteilt durch die Quote), ergeben sie zusammen mehr als 100 % — der Überhang ist die Marge. Wir rechnen diesen Überhang heraus (Devigging), sodass die angezeigten Markt-Wahrscheinlichkeiten sich zu 100 % addieren und vergleichbar werden.

Aus derselben Rechnung entsteht der Quotenschlüssel (Auszahlungsquote): Er sagt, wie viel Prozent der Einsätze ein Buchmacher im Schnitt wieder auszahlt. Ein hoher Quotenschlüssel bedeutet niedrige Marge und damit bessere Quoten für den Wettenden. Details dazu auf der Quotenschlüssel-Statistik.

Die dort gezeigten Werte sind netto: Wir ziehen die deutsche Wettsteuer von 5,3 % bei allen Anbietern ab, die sie an ihre Kunden weitergeben. Anbieter, die die Steuer selbst tragen, sind als (steuerfrei) gekennzeichnet und behalten ihre volle Quote. So vergleichen wir, was beim Wettenden real ankommt, nicht die beworbene Quote.


Der Trend-Score

Wettquoten bewegen sich ständig. Aber nicht jede Bewegung ist ein Trend. Eine Quote kann um 2 Prozentpunkte fallen und trotzdem nur Rauschen sein — wenn sie vorher tagelang seitwärts lief und dann einmal gesprungen ist. Unser Trend-Score erkennt den Unterschied.

Trend-Score = Bewegung × Konsistenz

Beide Faktoren werden multipliziert. Das heißt: wenn einer der beiden schwach ist, ist der gesamte Score niedrig — egal wie stark der andere ist.

Bewegung (move_pp) — Wie stark hat sich die Markt-Einschätzung verändert? Gemessen in Prozentpunkten der Implied Probability (1 / Quote). Eine Quote die von 2.00 auf 2.20 steigt, hat sich um 4.5 Prozentpunkte bewegt. Alles unter 1pp wird ignoriert — das ist normales Marktrauschen.

Die Bewegung wird über den Theil-Sen-Schätzer berechnet — ein robustes statistisches Verfahren. Statt einfach den ersten und letzten Wert zu vergleichen, berechnet er die Steigung zwischen jedem möglichen Paar von Messpunkten und nimmt den Median. Das macht ihn resistent gegen Ausreißer.

Warum ist das wichtig? Wenn ein Spiel zum ersten Mal bei den Buchmachern auftaucht, schwanken die Quoten oft stark — die Bookies stellen ihre Anfangspreise ein und korrigieren sich gegenseitig. Diese Anfangsschwankung hat nichts mit einem echten Trend zu tun. Der Theil-Sen ignoriert diese wenigen extremen Ausreißer automatisch, weil der Median der hunderten normalen Steigungen sich nicht davon verschieben lässt. Gleichzeitig werden echte Marktshifts (z.B. durch Verletzungen) korrekt erfasst, weil sie alle nachfolgenden Datenpunkte dauerhaft verschieben.

Konsistenz — Ist die Bewegung stetig passiert oder war es ein Sprung? Wir teilen den Zeitraum in 6-Stunden-Fenster und prüfen: ging es in jedem Fenster weiter in dieselbe Richtung? 90% heißt: fast durchgehend. 30% heißt: hin und her, am Ende zufällig woanders gelandet.

Score-Skala

kein Trend Schwach (unter 1.0)

Kein echter Trend. Entweder hat sich wenig bewegt, oder der Weg war chaotisch. Typische Ursache: eine Verletzungsmeldung hat die Quote einmal verschoben, dann ging sie wieder zurück. Oder die Quote pendelt seit Tagen seitwärts und ist zufällig am Ende etwas anders.

Beispiel: 2.0% × 30% = 0.6

schwacher Trend Moderat (1.0 – 2.0)

Echte Bewegung, aber nicht dominant. Entweder war der Move klein aber sauber (1.5% × 80% = 1.2), oder der Move war groß aber unruhig (3.0% × 50% = 1.5). Das ist der Normalbereich — die meisten Matches mit Bewegung landen hier.

starker Trend Stark (2.0 – 3.0)

Klarer Trend. Der Markt bewegt sich deutlich und konsistent in eine Richtung. Hier stimmen sowohl die Größe der Bewegung als auch die Qualität des Weges. Pro Spieltag gibt es typischerweise 2–3 Outcomes in diesem Bereich.

sehr starker Trend Sehr stark (über 3.0)

Stärkstes Signal. Große Bewegung und fast monotoner Verlauf über Tage. Selten — in einem typischen Spieltag vielleicht 1–2 Outcomes. Hier hat der Markt über einen längeren Zeitraum ohne Unterbrechung in eine Richtung korrigiert. Das ist kein Zufall.


Beispiel 1 — Starker Trend (Score 3.8)

SC Freiburg – Bayer Leverkusen, Auswärts-Sieg (Leverkusen).
Bundesliga Spieltag 25, Daten vom 24.02. bis 04.03.2026. 18 Buchmacher, 3552 Datenpunkte über 8 Tage.

Schritt 1 — Bewegung messen (Theil-Sen)

Aktuell (04.03.): Ø-Quote Away = 2.42 → implied = 41.3% Theil-Sen Baseline: Ø-Quote Away ≈ 2.20 → implied = 45.5% Robuste Bewegung: 41.3% − 45.5% = −4.2 Prozentpunkte

Der Theil-Sen-Schätzer berechnet die Steigung zwischen allen möglichen Paaren von 6-Stunden-Fenstern und nimmt den Median. Ergebnis: eine robuste Bewegung von −4.2 Prozentpunkten. Eventuelle Settling-Schwankungen am Anfang fließen nicht ein — der Median ignoriert diese Ausreißer.

Schritt 2 — Konsistenz prüfen

Die 8 Tage werden in 33 Fenster à 6 Stunden geteilt. Pro Fenster wird der Markt-Durchschnitt berechnet:

45.5 45.5 45.5 45.5 45.5 45.5 45.5 45.5 44.9 44.9 44.9 44.9 44.9 44.7 44.7 44.7 44.7 44.5 44.3 44.3 44.3 44.2 44.2 44.2 43.7 43.3 43.4 43.4 43.4 42.3 41.5 41.3 41.4

Fast durchgehend fallend. Nur minimale Rücksetzer (43.3 → 43.4). Der Markt hat sich 8 Tage lang stetig in eine Richtung bewegt.

Konsistenz: 91%

Schritt 3 — Score

4.2% × 91% = 3.8

Große Bewegung, sauberer Weg. Das ist ein echter Markttrend.


Beispiel 2 — Warum Bewegung allein nicht reicht (Score 0.6)

FC St. Pauli – Eintracht Frankfurt, Auswärts-Sieg (Frankfurt).
Gleicher Spieltag, gleicher Zeitraum, 18 Buchmacher.

Schritt 1 — Bewegung messen (Theil-Sen)

Aktuell (04.03.): Ø-Quote Away = 2.65 → implied = 37.7% Theil-Sen Baseline: Ø-Quote Away ≈ 2.80 → implied = 35.7% Robuste Bewegung: 37.7% − 35.7% = +2.0 Prozentpunkte

Auf den ersten Blick: solide Bewegung. Quote fällt, Frankfurt wird wahrscheinlicher. 2 Prozentpunkte ist nicht wenig.

Schritt 2 — Konsistenz prüfen

35.7 36.6 36.6 36.6 36.5 36.5 36.5 36.6 36.5 36.5 36.8 36.8 36.4 36.4 36.4 36.4 36.5 36.4 36.4 36.5 36.5 36.4 36.3 36.3 37.5 38.2 38.2 38.2 38.2 38.1 37.4 37.4 37.7

Die ersten 24 Fenster pendeln zwischen 36.3% und 36.8%. Das ist Seitwärtsbewegung — nur 0.5pp Schwankung. Dann plötzlich am 02.03. ein Sprung auf 37.5%, hoch auf 38.2%, und sofort wieder zurück auf 37.4%.

Konsistenz: 33%

Schritt 3 — Score

2.0% × 33% = 0.6

Die Bewegung von 2pp sieht auf dem Papier solide aus. Aber der Weg dorthin war kein Trend — es war ein Sprung nach 8 Tagen Seitwärts, der sich sofort teilweise korrigiert hat. Wahrscheinlich eine kurzfristige News, kein nachhaltiger Markttrend.


Vergleich

3.8 Freiburg – Leverkusen

Bewegung: −4.2%

Konsistenz: 91%

Sauberer Abstieg über 8 Tage. Echter Trend.

0.6 St. Pauli – Frankfurt

Bewegung: +2.0%

Konsistenz: 33%

8 Tage Seitwärts, dann ein Sprung. Kein Trend.

Der multiplikative Score bestraft inkonsistente Bewegungen. 2pp klingt nach was — aber × 33% Konsistenz und es ist Rauschen. 4.2pp mit 91% Konsistenz ist das echte Signal.